Tunnel: Probleme mit Brandschutz

Cochem

Tunnel: Probleme mit Brandschutz

aktualisiert: 07.08.2014, 15:38 Uhr

Seit April fahren die Züge auf der Moselstrecke durch die neue Röhre des Kaiser-Wilhelm-Tunnels, jedoch hat das Bauwerk bisher keine Brandschutzabnahme erhalten. Das Problem: Die Feuerwehr kann nicht mehr mit einem speziell für die Schiene ausgestatteten Fahrzeug in den Tunnel hineinfahren.

Statt auf der Schiene wird die Feuerwehr in Zukunft daneben fahren. Das Problem: Die Fahrzeuge können nicht wenden.
Statt auf der Schiene wird die Feuerwehr in Zukunft daneben fahren. Das Problem: Die Fahrzeuge können nicht wenden.
Foto: David Ditzer
 

Von unserem Redakteur Kevin Rühle

Die bisher bestehende Aufgleishilfe wurde bei den Bauarbeiten entfernt, eine neue gibt es noch nicht.20 Minuten hat es bei der jüngsten Feuerwehrübung gedauert, bis die Brandbekämpfer mit Bohlen und Holzlatten ein Provisorium gebaut hatten, mit dem das Spezialfahrzeug auf die Bahnschienen gebracht wurde.

20 Minuten sind im Ernstfall eine Ewigkeit, dementsprechend unzufrieden zeigten sich Feuerwehr und Verbandsgemeinde (VG) nach der Übung. "Wir werden nicht mehr versuchen, auf den Gleisen in den Tunnel zu kommen. Wenn etwas passiert, fahren wir einfach rein", sagt Berthold Berenz, der Wehrleiter der VG Cochem. Jedoch sei dies eine zusätzliche Gefahr für seine Kameraden, die im Notfall im Tunnel nicht drehen und rückwärts nur sehr langsam den kilometerlangen Tunnel verlassen können. Auf Schienen ist die Feuerwehr schneller und sicherer unterwegs. Daher hat die Verbandsgemeinde Cochem der Bahn nun eine Frist gesetzt, innerhalb welcher neue Aufgleispunkte an den Rettungsplätzen in Ediger-Eller und in Cochem gebaut werden müssen.

Bei den Versorgungsleitungen hat die Bahn mittlerweile nachgebessert. Vor der Inbetriebnahme des neuen Tunnels hatte die Feuerwehr die Löschwasserversorgung bemängelt. "Wasserversorgung, der Funk und die Evakuierung haben bei der Übung sehr gut funktioniert", sagt Wehrleiter Berenz.

Die neue Röhre ist durchgehend befahrbar, ein enormer Vorteil für Rettungskräfte. Trotzdem hatte sich die Feuerwehr die Fahrbahn anders vorgestellt. "Wir waren davon ausgegangen, dass wir wenden können", sagt Berenz. Dies ist allerdings nicht möglich, da die Schienen nicht wie bei einer Straßenbahn in den Boden eingelassen sind, sondern höher stehen und von kleinen Gräben gesäumt sind.

Mit dem Sicherheitskonzept, wie es nach Abschluss aller Bauarbeiten vorgesehen ist, zeigt sich der Feuerwehrchef zufrieden. In einem Notfall können dann beide Tunnelröhren gesperrt werden, die Einsatzkräfte benutzen die nicht betroffene Röhre und wechseln dann über die Verbindungsbauwerke.

Zwar besteht damit momentan ein erhöhtes Risiko für die Feuerwehrleute, jedoch nicht für die Fahrgäste der Bahn, betont Berenz. "Sobald Menschen in Gefahr sind, gehen wir rein. Keine Frage. Aber die Brandschutzabnahme musste ich ablehnen, um meine Feuerwehrleute zu schützen", sagt der Wehrleiter. Sobald die neuen Aufgleisstellen gebaut sind, soll wiederum eine Tunnelübung stattfinden.