Damit der Tunnel nicht zur Falle wird

Cochem/Ediger-Eller

Damit der Tunnel nicht zur Falle wird

Kevin Rühle aktualisiert: 21.05.2017, 17:05 Uhr

Ein Feuer im Tunnel, ein entgleister Zug, Dutzende Verletzte: Für diesen bedrohlichen Ernstfall wollen die Einsatzkräfte bewappnet sein. In wenigen Wochen sollen die Züge auf der Moselstrecke durch zwei getrennte Röhren des Kaiser-Wilhelm-Tunnels rollen. Seit einiger Zeit ist die Strecke für die Bauarbeiten gesperrt. „Eine einmalige Gelegenheit für eine Übung“, sagt auch Bodo Tauch von der Bahn, der für das Tunnelprojekt verantwortlich ist.

Tunnelübung: Einsatzkräfte von Feuerwehr, DRK und THW proben im Kaiser-Wilhelm-Tunnel den Ernstfall.
 
Der Strom der Oberleitungen der Bahn ist abgeschaltet, die Strecke ist gesperrt. Auf dem Rettungsplatz neben den Eisenbahnschienen warten die Feuerwehrleute in ihren Fahrzeugen auf den Einsatz, sie tragen bereits ihre Atemschutzmasken. Nach einiger Zeit nehmen die freiwilligen Retter die schwarzen Masken wieder ab, denn der Stau an der Zufahrt will sich nicht auflösen. Vorne, an Einsatzfahrzeug Nummer 1, schleppen Feuerwehrleute schwere Stahlplatten heran, damit es der Transporter auf die Strecke schafft. Etwa 25 Kilogramm wiegt jedes Teil. Der Transporter, mit dem ein Notarzt und ein Feuerwehrmann die Lage im Tunnel erkunden wollen, hat es endlich auf die Gleise geschafft. Die wartenden Fahrzeuge sind allerdings größer, weitere Platten werden verlegt. Berthold Berenz, Einsatzleiter der Großübung, schaut etwas zerknirscht auf das Treiben. „Das dauert zu lange“, sagt er in ruhigem, aber bestimmtem Ton zu einem Mitarbeiter der Deutschen Bahn. Wenig später wiederholt sich der gleiche Vorgang noch einmal, denn es sind zu wenige der Platten beschafft worden. Die Feuerwehrleute müssen für die nächste Querung der Gleise die Platten wieder abbauen und Richtung Tunnelportal schleppen.

Dank zweier Röhren bleibt immer ein Rettungsweg frei

Tunnelübung: Einsatzkräfte von Feuerwehr, DRK und THW proben im Kaiser-Wilhelm-Tunnel den Ernstfall.
 
Das schwere Atmen durch die Atemmasken hallt durch die alte Röhre des Kaiser-Wilhelm-Tunnels. Es ist kalt. Zwei Retter inspizieren den Zug, in dem mehr als 20 Verletzte – eigens für die Übung wurden Verletzungen mit Schminke nachgestellt – auf Hilfe warten. Schläuche werden ausgerollt, die ersten Tragen für den Abtransport aus der Nachbahrröhre herangeschafft. An den Wänden hängen zusammenklappbare Transportwagen für die Verletzten, alle paar Meter findet sich ein Wasseranschluss für die Feuerwehr. Das Licht ist schummrig, der Schein der Taschenlampen tanzt über das Rund des Betons.

„Achtung, dies ist ein realer Einsatz“, macht ein Notarzt seinen Kollegen auf der Bahnbrücke in Cochem klar. Eine Feuerwehrfrau wurde gerade mit einer Rettungslore aus dem Tunnel ins Freie gebracht. Der Arzt untersucht ihre Hüfte. Sie muss ins Krankenhaus gebracht werden. Beim Einsatz im Tunnel ist die Feuerwehrfrau rückwärts aus einer Tür des Zuges gestürzt. „Das ist schon sehr hoch, wenn man eine Flasche auf dem Rücken hat“, sagt Einsatzleiter Berenz besorgt. Auch einer der Verletztendarsteller muss versorgt werden. Er hat sich im dunklen Zug am Kopf verletzt.

50 Menschen pro Stunde können behandelt werden

Thomas Rings aus Cochem überwacht das Eintreffen der Verletztenschauspieler auf dem Rettungsplatz. Das DRK hat mehrere Zelte aufgestellt, um die geretteten Menschen zu versorgen und auf ihren Transport vorzubereiten. Die Verletzten bekommen farbige Schilder. „Ein Arzt stellt fest, wie schwer der Patient verletzt ist und wie er behandelt werden muss“, erklärt Rings. Ein Mann, der offenbar einen offenen Bruch am rechten Bein erlitten hat, trägt ein gelbes Schild. Er braucht nicht die maximale Versorgung in einem Zelt für Schwerstverletzte. „Dort werden Menschen reanimiert oder schwere Blutungen behandelt“, sagt Rings. Es gibt vier Kategorien, bis hin zu hoffnungslosen Fällen. Mit dabei sind auch die Mitarbeiter der Notfallnachsorge, die sich um Angehörige und Verletzte kümmern. Auf der anderen Seite des Tunnels, in Ediger-Eller, wartet derweil ein Rettungshubschrauber auf einen Verletzten. Auch der Abtransport Richtung Süden soll geprobt werden.

„Ich bin mit der Arbeit der Feuerwehrleute sehr zufrieden. Keine Hektik, keine Unruhe“, sagt Berenz. Auch ist der Einsatzleiter zuversichtlich, dass kleine technische Probleme noch behoben werden. „Das bekommt die Bahn schon in den Griff.“ Bis zum 2. Juni hat sie dafür noch Zeit.

Im Einsatz in Cochem und Ediger Eller waren Feuerwehrleute aus Cochem, Bruttig, Bremm, Mesenich, Ediger-Eller. Das DRK Cochem wurde verstärkt aus Ahrweiler, Koblenz, dem Rhein-Hunsrück-Kreis, Mayen und aus dem gesamten Kreis Cochem-Zell.

Von unserem Redakteur Kevin Rühle